[›Er‹]

Er lebt in der Zerstreuung. Seine Elemente, eine frei lebende Horde, umschweifen die Welt. Und nur weil auch sein Zimmer zur Welt gehört sieht er sie manchmal in der Ferne. Wie soll er für sie die Verantwortung tragen? Heißt das noch Verantwortung?

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Er ist bei keinem Anlaß genügend vorbereitet, kann sich des­halb aber nicht einmal Vorwürfe machen, denn wo wäre in diesem Leben, das so quälend in jedem Augen­blick bereit­sein verlangt, Zeit sich vor­zu­berei­ten[,] und selbst wenn Zeit wäre, könnte man sich denn vor­berei­ten, ehe man die Auf­gabe kennt[,] d. h. kann man über­haupt eine natürliche, eine nicht nur künstlich zu­sammen­gestellte Auf­gabe be­stehn? Deshalb ist er auch schon längst unter den Rädern, merk­würdiger aber auch tröst­licher Weise war er darauf am wenig­sten vorbereitet.

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Ein segmentartiges Stück ist ihm aus dem Hinterkopf herausgeschnitten. Mit der Sonne schaut die ganze Welt hinein. Ihn macht es nervös, es lenkt ihn von der Arbeit ab, auch ärgert er sich, daß gerade er von dem Schauspiel ausgeschlossen sein soll[.]

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Er ist weder kühn, noch leichtsinnig. Aber auch ängstlich ist er nicht. Ein freies Leben würde ihn nicht ängstigen. Nun hat sich ein solches Leben für ihn nicht ergeben, aber auch das macht ihm keine Sorgen; wie er sich über­haupt um sich selbst keine Sorgen macht. Es gibt aber einen ihm gänz­lich un­bekann­ten jemand, der sich um ihn[,] nur um ihn[,] große fort­währen­de Sorgen macht. Diese ihn be­treffenden Sorgen des Jemand, beson­ders das Fort­währen­de dieser Sorgen[,] verursachen ihm manch­mal in stiller Stunde quälende Kopfschmerzen.

Franz Kafka