[›Er‹]

Er hat zwei Gegner, der Erste bedrängt ihn von rück­wärts vom Ursprung her, der zweite ver­wehrt ihm den Weg nach vorne. Er kämpft mit beiden. Eigentlich unter­stützt ihn der Erste im Kampf mit dem Zweiten, denn er will ihn nach vorn drängen[,] und ebenso unterstützt ihn der Zweite im Kampf mit dem Ersten, denn er treibt ihn doch zurück. So ist es aber nur t[h]eore­tisch, denn es sind ja nicht nur die 2 Gegner da, sondern auch noch er selbst und wer kennt eigent­lich seine Absichten?

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Sich kennt er, den andern glaubt er, dieser Widerspruch zersägt ihm alles.

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Er beweist nur sich selbst, sein einziger Beweis ist er selbst, alle Gegner besiegen ihn sofort, aber nicht dadurch, daß sie ihn widerlegen, er ist unwider­legbar[,] sondern dadurch[,] daß sie sich beweisen.

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Er hat viele Richter, sie sind wie ein Heer von Vögeln, das in einem Baum sitzt. Ihre Stimmen gehen durcheinander, die Rangs- und Zuständig­keits­fragen sind nicht zu entwirren, auch werden die Plätze fortwährend gewechselt. Einzelne erkennt man aber doch wieder heraus[.]

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»Du machst aus Deiner Not eine Tugend.«
»Erstens tut das jeder und zweitens tue gerade ich es nicht. Ich lasse meine Not Not bleiben, ich lege die Sümpfe nicht trocken, sondern lebe in ihrem fiebrigen Dunst.«
»Daraus eben machst Du Deine Tugend[.]«
»Wie jeder, ich sagte es schon. Im übrigen tue ich es nur Deinetwegen; damit Du freundlich zu mir bleibst, nehme ich Schaden an meiner Seele.«

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Manche leugnen den Jammer durch Hinweis auf die Sonne, er leugnet die Sonne durch Hinweis auf den Jammer.

Franz Kafka