[›Er‹]

Alles ist ihm erlaubt[,] nur das Sich-vergessen nicht, womit aller­dings wieder alles verboten ist bis auf das eine, für das Ganze augenblick­lich Notwendige.

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Mit einem Gefängnis hätte er sich abgefun­den. Als Gefangener enden — das wäre eines Lebens Ziel. Aber es war ein Gitter­käfig. Gleich­gültig, herrisch, wie bei sich zuhause strömte durch das Gitter aus und ein der Lärm der Welt, der Gefan­gene war eigent­lich frei, er konnte an allem teil­nehmen, nichts ent­gieng ihm draußen, selbst verlassen hätte er den Käfig können, die Gitter­stangen standen ja meter­weit aus­einan­der, nicht einmal gefangen war er.

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Sein eigener Stirnknochen verlegt ihm den Weg (an seiner eigenen Stirn schlägt er sich die Stirn blutig)[.]

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Er fühlt sich auf dieser Erde gefangen, ihm ist eng, die Trauer, die Schwäche, die Krankheiten, die Wahn­vor­stellungen der Gefan­genen bre­chen bei ihm aus, kein Trost kann ihn trösten, weil es eben nur Trost ist, zarter kopf­schmerzen­der Trost gegen­über der groben Tat­sache des Ge­fangen­seins. Fragt man ihn aber, was er eigent­lich haben will, kann er nicht antwor­ten[,] denn er hat — das ist einer seiner stärk­sten Beweise — keine Vorstellung von Freiheit.

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Er hat den Archimedischen Punkt gefunden, hat ihn aber gegen sich aus­genützt, offenbar hat er ihn nur unter dieser Bedingung finden dürfen[.]

Franz Kafka